Produktionen/2018

FESTIVAL

Verlorene Illusionen

TheaterJugendtheaterTanzPerformanceKleinkunstFestivalDigitalAusstellungKonferenz 15. September 2018

VERLORENE ILLUSIONEN

Nach dem Festival DAS GLÜCKLICHSTE VOLK (mit Workshops, Inszenierungen und Vortragenden zum Thema Superdiversität) bei dem die Tatsache weitergedacht wurde, dass es in Großstädten Europas bald keine Mehrheitsgesellschaften mehr gibt, macht sich die jtw mit dem Festival VERLORENE ILLUSIONEN quer durch Spandau auf die Suche nach einer Vision für ein zukünftiges gesellschaftliches Zusammenleben. Denn nicht nur die Migration hat das Zusammenleben in der Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten verändert. Auch die Einschnitte durch neue Technologien oder das entstandene Bewusstsein für die Endlichkeit natürlicher Ressourcen prägen die Superdiversität der gegenwärtigen Gesellschaft. Die Gesellschaftsverträge basieren dagegen auf einer 70-jährigen Gesetzgebung und müssten längst angepasst, umgeschrieben und erweitert werden.

„Unsere moderne Gesellschaft beruht auf der Fiktion, dass, um Rechte wie Freiheit und Gleichberechtigung zu erhalten, sich Individuen zusammenfinden, einen Gesellschaftsvertrag schließen und sich auf Systeme einigen, angefangen bei der Regierung, die Macht ausübt. Die Gesellschaft jedoch, mit der dieser Vertrag geschlossen wurde, ist ständigem Wandel unterworfen und verbleibt in keinem Fall in ihrer anfänglichen Gestalt. Der Gesellschaftsvertrag muss kontinuierlich bestätigt und erneuert werden.“

An verschiedenen Spielorten in Spandau (jtw, Zitadelle, Militärhistorisches Museum / Flugplatz Gatow, Naturschutzstation Hahneberg, Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde, Münsinger Park, Spandauer Cafés) finden vom 15. bis 30. September 2018 Performances, Interventionen und Präsentationen statt. Diese mobilen und temporären Stationen (Architektur: Van Bo Le-Mentzel) werden von unterschiedlichsten Gruppen recherchiert und konzipiert und mit diversen Genres bespielt. Die Zuschauer*innen kommen im Falkenhagener Feld und in Spandau anhand von Tagesprogrammen und Gebiets-Karten zu den jeweiligen „Stationen“ - ein Rundgang, der keinem inszenierten Ablauf folgt, sondern individuell gestaltet wird - auch mit den in der jtw zur Verfügung stehenden Fahrrädern, die kostenlos ausgeliehen werden können.

„Wenn nämlich ein Volk vorwärts geht und wächst, so sprengt es jedesmal den Gürtel, der ihm bis dahin sein nationales Ansehen gab: bleibt es stehen, verkümmert es, so schließt sich ein neuer Gürtel um seine Seele; die immer härter werdende Kruste baut gleichsam ein Gefängnis herum, dessen Mauern immer wachsen. Der also, welcher den Deutschen wohl will, mag für seinen Teil zusehen, wie er immer mehr aus dem, was deutsch ist, hinauswachse.“